Was bleibt von unserem Ego, wenn wir unser Leben Gott übergeben?

So oder so ähnlich lautet die Frage, die mir ein- oder zweimal pro Jahr so durch den Kopf schwirrt, meist genau dann, wenn ich einen Schritt hätte machen sollen, der mich näher zu Gott hin hätte bringen können: z.B. mich von konkreten falschen Haltungen zu befreien oder richtige Entscheidungen zu treffen, und zwar ungeachtet meiner Gefühle. Dieser Artikel ist für all jene gedacht, die sich diese oder eine ähnliche Frage auch schon mal gestellt haben.

 

Befreie dich von allem ...!

Wahrscheinlich kennen Sie das auch. Man macht sich immer mehr mit der Bibel vertraut, und doch schleicht sich irgendwie das Gefühl ein, dass Gott einen im Grunde um alles Angenehme im Leben bringen will. Man darf sich nicht betrinken, soll aufhören, zu lügen und zu stehlen, kein Sex außerhalb der Ehe, den Nächsten lieben wie sich selbst, bzw. den anderen als vorranging betrachten, aufhören sich selbst zu loben, den Eltern gehorchen, keine schmutzigen Witze erzählen… Vielleicht haben Sie sich bei diesen Gedanken auch schon mal die Frage gestellt: Was bleibt dann eigentlich noch von meinem Ego, wenn ich jeden Bereich meines Lebens Gott übergebe? Was bleibt noch von meinem eigentlichen Ich, wenn ich mich von meinem Stolz und meinem Anerkennungsbedürfnis befreie? Was bleibt noch von meinem Ego, wenn ich alle meinen angenehmen Sünden aufgebe, die mir aber doch so schnell und so einfach meine Gefühlswelt verbessern können? Da bleibt von meinem Ego doch überhaupt nichts mehr! Da werde ich doch nur noch eine Marionette sein, ohne eigenen Willen. Ein solches Leben aber hat es doch gar nicht verdient, gelebt zu werden."

 

Eine Marionette?

Ist schon klar, Ihnen sind solche Gedanken noch nie in den Sinn gekommen, nicht wahr? :-) Macht nichts. Für den Fall, dass Ihnen solche nagenden Zweifel aber doch nicht so ganz unbekannt sein sollten, wollen wir nun herauszufinden suchen, wie sich das alles in Wahrheit verhält! Und wie so oft, so ist auch hier genau das Gegenteil wahr. Denn wir verwechseln hier den Charakter Gottes mit dem Satans! Satan ist der, welcher mit seinem Gesinde – den Dämonen – den Menschen die Freiheit, die Würde, ja sogar das Leben raubt. Depressionen, Abhängigkeiten und Zwänge, Essstörungen, Phobien (unbeherrschbare Angstzustände), Besessenheit – das alles ist das Werk dieses Bösen. Wenn sie dem Bösen – „am besten“ durch den Okkultismus, durch schwere Sünden usw. – die Tür öffnen, wird er aus Ihnen mit der Zeit aller Wahrscheinlichkeit einen seiner vielen unfreiwilligen Sklaven machen! Spätestens dann (besser aber wäre: vorher) wäre es angebracht, zu fragen: „Was wird von meinem Ego noch bleiben?"


Mit Gott verhält es sich völlig anders. Wenn Gott von uns will, dass wir in unserem Leben auf etwas verzichten, dann ist dies immer nur zu unserem Besten. Er liebt uns und er will, dass niemand von uns in irgendeiner Abhängigkeit oder in den Pranken dieses Bösen endet. Gott weiß, dass die Sünde uns zerstört und uns von Ihm trennt. Es ist also nicht so, dass Gott uns all die Erlebnisse mit Drogen und Alkohol oder sexuelle Vergnügungen außerhalb der Ehe nicht gönnt, Er versucht vielmehr, uns vor Abhängigkeiten, Krankheiten und Ähnlichem zu bewahren.


Unsere gefallene Natur flüstert uns ein, dass unser Leben unter unserer Kontrolle stehen sollte. Die Dinge um uns herum und das eigene Leben unter Kontrolle zu haben, ist jedoch eine bloße Illusion. Erst einmal ist so etwas gar nicht möglich, und außerdem entfernt uns ein diesbezügliches Bestreben (wegen des Stolzes und der Abhängigkeit) von Gott. Bei dem Versuch, sein Leben und die Dinge um sich herum unter Kontrolle zu haben, kommt als Ergebnis oft das genaue Gegenteil heraus!!! Ich habe eine Internetseite zum Thema Essstörungen - Anorexie, Bulimie, Binge Eating – gestaltet, und obwohl die Seiten noch in der Anfangsphase sind, haben mich die Umfrageergebnisse doch sehr überrascht. Essstörungen gehören zu den perfidesten Fallen Satans. Das Streben nach Perfektion und danach, alle Dinge unter Kontrolle zu haben (Gewicht, Essen, Aussehen) treibt die Menschen in eine Gebundenheit, aus der nur sehr wenige wieder ganz herausfinden. In einer anonymen Umfrage, bei der danach gefragt wurde, ob die Betroffenen auch Stimmen hören, die mit ihnen schimpfen, ihnen Befehle oder Verbote erteilen und Ähnliches, antworteten rund drei Viertel der Befragten mit JA! Die im Hintergrund von Essstörungen agierenden dämonischen Wesen machen aus den Menschen Sklaven und „Marionetten“, denen sie zu essen verbieten oder die sie umgekehrt dazu zwingen, unglaubliche Mengen an Lebensmitteln in sich hineinzustopfen und sich danach zu übergeben, und wenn sie nicht gehorchen, fügen Sie ihnen auch noch unsagbare Schmerzen zu, schicken ihnen Albträume und Ähnliches. Es macht nich auch traurig, wenn ich sehe, dass meine Kolleginnen und Kollegen auf der Arbeit mehrmals täglich „mal kurz raus müssen“, nur um sich „eine anzuzünden“. Wir könnten uns an dieser Stelle auch noch lange beispielsweise über Alkoholiker und Drogenabhängige unterhalten, aber ich glaube, das Bisherige genügt, um das Prinzip verständlich zu machen.

 

Wie ist das also jetzt mit Gott?

Gott als der uns liebende Schöpfer weiß am besten, was für uns gut ist und was uns umgekehrt zerstört. Er hat uns sein Wort - die Bibel – hinterlassen, damit wir von Ihm, Seinem Charakter und Seinen Plänen mehr erfahren können. Man könnte sagen, dass die Bibel unter anderem auch so etwas wie eine „Handlungsanleitung“ für den Menschen und für sein Leben darstellt. Haben Sie Angst, dass von Ihrem Ego nichts bleibt, wenn Sie auf alle Ihre Sünden, Charakterschwächen und so weiter verzichten? Glauben Sie, dass, wenn Sie zu Gott sagen: „Ich will dir gehorchen und dir mein Leben übergeben!“, ein Donnerschlag ertönt und Gott wie ein Dämon die Kontrolle über Sie übernimmt? Weit gefehlt. Schauen sie nach, was die Schrift (die Bibel) sagt! Wollen Sie Gott gehorchen und Ihm folgen?


Lukas 9,23 (NeÜ): Und zu allen sagte er: "Wenn jemand mein Jünger sein will, dann muss er sich selbst verleugnen, er muss täglich sein Kreuz aufnehmen und mir folgen.


Verstehen Sie? Nicht nur, dass aus Ihnen kein willenloser Sklave wird, nein, Sie werden ganz im Gegenteil wohl alle Ihre Kräfte dazu aufwenden müssen, glaubwürdig zu zeigen, dass Sie es ernst meinen. Gott wird Ihnen Ihren freien Willen nicht nehmen. Wieso sollte er auch? Schließlich war Er es, der ihn Ihnen gegeben hat. Sie selbst müssen Gott Ihr Leben in einer solchen Weise (man könnte hinzufügen: in täglichen Raten) übergeben, dass Sie jedesmal frei entscheiden können, ob Sie sich selbst verleugnen und Ihm nachfolgen wollen! Sich selbst verleugnen bedeutet, unser EGO (ich will, ich fühle, ich glaube) und unsere Sehnsüchte bewusst vom Thron zu stoßen und den Plänen Gottes und anderen Menschen den Vorzug zu geben.


Scheint es Ihnen immer noch so, dass von Ihrem EGO nichts mehr übrigbleibt, wenn Sie Ihr Leben ganz Gott unterstellen? Ich denke, da kann ich Sie beruhigen. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Sie werden viel Kraft, Glauben, Entschlossenheit und Ausdauer benötigen, um zu einem Nachfolger (Jünger) Jesu werden zu können. Auf diesem Weg, auf dem Sie täglich Entscheidungen treffen, den Plänen Gottes folgen und Ihr eigenes Kreuz tragen, wird sich Ihr Charakter allmählich nach dem Bilde Jesu umwandeln. Und das ist auch eines der Hauptziele – den Charakter Gottes in unserem Leben zu offenbaren.

 

 
Libor Diviš

 

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