Vater unser ...

Wissen wir eigentlich, was wir da sagen?

Matthäus 6,9-13 (SCHL): Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten: Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.


Wer kennt dieses „Ur-Gebet“ Jesu wohl nicht? Dieses Gebet kennen sogar viele nichtgläubige Menschen. Aber worum geht es in diesem Gebet eigentlich? Haben Sie sich schon einmal die Zeit genommen, um über seinen Inhalt nachzudenken? Schauen wir uns dieses „richtige“ Gebet einmal genauer an...



1) Vater unser, der Du bist im Himmel

Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde soll man mit Vater ansprechen? Dürfen wir uns hier wirklich so viel Vertraulichkeit herausnehmen? Ja, das dürfen wir, und dass wir Gott als unserem Vater gegenübertreten können, ja sollen, verdanken wir dem Mann aus Nazareth, Jesus Christus. Schauen wir uns nun ein paar Bibelstellen an, die darüber unzweideutig Auskunft geben:

Römer 8,15 (SCHL): Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Galater 4,4-7 (SCHL): Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. Weil ihr nun Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater! So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.

Johannes 1,12 (SCHL): Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;

1. Johannes 3,1 (SCHL): Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen!

Matthäus 23,9 (SCHL): Nennt auch niemand auf Erden euren Vater; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.




2) Geheiligt werde dein Name.

Was bedeutet das? Und welcher Name? Gute Frage :-) Ja, wir sollen dafür beten, dass Gott und sein Name unter den Menschen geheiligt werden. Dass die Menschen den wahren Gott kennen und dass sie ihn als heiligen Gott kennen. Dass Gott und sein Name aus welchem Grund auch immer der Verachtung und Respektlosigkeit anheimfallen. Das Traurige daran ist, dass es gerade die sich auf Ihn berufende Kirche selbst ist, die Ihm – mit ihrem Verhalten, ihren Einstellungen und Taten – die größte Schande bereitet … :-(


Jesus (und nun auch wir) betet dafür, dass der Name Gottes geheiligt werde. Aber welcher Name? HERR vielleicht? Manche versuchen, diese Stelle dahingehend zu erklären, dass sie sagen, dass der Name Gottes im Grunde die Person Gottes darstellt. Das ist natürlich wahr, aber auch wieder nicht so ganz. Gott hat uns seinen Namen bekannt gemacht, und es ist eine unglaubliche Frechheit der Bibelübersetzer, dass sie diesen Namen hinauswarfen und durch einen Beinamen ersetzten. Ja, HERR ist nur ein Beiname. Gott ist zwar auch „HERR“, aber er hat noch weitaus mehr Attribute, und vor allem ist das nicht sein Name. Wenn wir uns einmal das hebräische Original anschauen, sehen wir den Namen Gottes dort 6832mal verzeichnet. Ja, Sie lesen richtig. Für Gott ist sein Name wirklich wichtig, anderenfalls ließe er ihn wohl kaum fast 7000mal(!) in die Bibel schreiben. Die hebräische Transkription ohne Vokale lautet יהוה (JHWH – auszusprechen „Jehova“). Mir ist nicht bekannt, wer in den deutschen Übersetzungen damit begann, den tatsächlichen Namen Gottes durch den Ausdruck HERR zu ersetzen, jedenfalls stehen wir heute vor der Tatsache, dass die meisten deutschen Übersetzungen dieses Ersatzwort verwenden. Die verantwortlichen Übersetzer trafen sich in der Regel auf Konferenzen, sie berieten sich und gaben dann leider der Volkstradition bzw. der Volksfrömmigkeit den Vorzug vor dem Wort Gottes, in diesem Falle opferten sie dafür sogar den wahren Namen Gottes. Möglicherweise hemmte sie ein gewisser geistiger Druck (der Teufel will nicht, dass der Name Gottes bekannt ist und verwendet wird), vielleicht war es auch die Angst, in zu große Nähe zu den Zeugen Jehovas zu geraten, auf jeden Fall aber beruft man sich auf die Volkstradition. Jesus konnte als Mensch so leicht nichts aus der Fassung bringen, aber wenn die Pharisäer und Schriftgelehrten ihm mit irgendeiner Tradition kamen, die das Wort Gottes verletzte, war es mit seinem Gleichmut vorbei. Er nannte sie kurzerhand nur Heuchler:

Matthäus 15,3-9 (SCHL): Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Und warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? Denn Gott hat geboten und gesagt: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!« und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben!« Ihr aber sagt: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht: Ich habe zur Weihegabe bestimmt, was dir von mir zugutekommen sollte!, der braucht auch seinen Vater oder seine Mutter nicht mehr zu ehren. Und so habt ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen aufgehoben. Ihr Heuchler! Treffend hat Jesaja von euch geweissagt, wenn er spricht: »Dieses Volk naht sich zu mir mit seinem Mund und ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind.«


Der Volksfrömmigkeit den Vorzug vor dem Wort Gottes zugeben, ist in der Tat ein Armutszeugnis....




3) Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Selbst wenn wir Gott nur vom Hörensagen kennen, wird es sicherlich unser Wunsch sein, dass Ihm die Königsherrschaft zukommt. Wir werden uns danach sehnen, dass Sein Wille nicht nur Im Himmel, sondern auch hier auf der Erde geschieht, denn wir wissen, dass Sein Wille „vollkommen“ ist:

Römer 12,2 (SCHL): Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.




4) Gib uns heute unser tägliches Brot.

Dieser Satz ist nicht anderes als die Bitte um Erfüllung unserer alltäglichen Bedürfnisse. Häufig stellen wir in unseren Gebeten persönliche Bitten um die Lösung konkreter Probleme in den Vordergrund. Doch sollten wir dies auch nicht übertreiben, denn unser himmlischer Papa weiß viel besser als wir selbst, was wir wirklich benötigen:

Matthäus 6,31-33 (SCHL): Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen?, oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!


O, welch wunderschönes Versprechen aus dem Munde Jesu. Wir haben die Wahl: entweder in Angst zu leben, bemüht, alle „Bedürfnisse“ unseres Lebens zu erfüllen, oder uns auf die Suche nach Gottes Willen und Gerechtigkeit zu machen, und alles Lebensnotwendige sozusagen als „BONUS“ von Gott zu erhalten. :-)




5) Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.

Damit Gott uns vergeben kann, müssen auch wir all jenen vergeben, die uns Leid angetan haben. Es handelt sich hierbei um ein einfaches geistiges Prinzip, dem gerecht zu werden für uns Menschen aber gar nicht so einfach ist. Von Natur aus sind wir überhaupt nicht in der Lage, jenen, die uns in irgendeiner Weise große Schmerzen zugefügt haben, aus ganzem Herzen zu vergeben. Die Tatsache, dass man es nicht fertigbringt, anderen zu vergeben, ist die häufigste Ursache dafür, dass Gebete nicht erhört werden! Gottes Wort lässt in dieser Frage an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

Markus 11,25-26 (SCHL): Und wenn ihr dasteht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben.


Wir können nicht einerseits in unserem Herzen der Bitterkeit Raum lassen und dann andererseits darauf hoffen, dass Gott unsere Gebete erhören wird.


Matthäus 6,14-15 (SCHL): Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.




6) Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.

Die wörtliche Übersetzung dieser Stelle würde ungefähr so lauten: „Führe uns nicht in eine Prüfung hinein…“. Das hier verwendete Wort „peirasmos“ bedeutet Prüfung, Erprobung, Versuchung. Jesus will uns hier zeigen, dass wir dafür beten sollen, dass wir doch lieber von einer Prüfung verschont bleiben mögen. In diesem Zusammenhang muss ich unweigerlich an die Szene im Garten Gethsemane denken, wo die Jünger vom Schlaf bewältigt werden, als Jesus sie bittet, für ihn zu beten:

Matthäus 26,38-41 (SCHL): Da spricht er zu ihnen: Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir! Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Und er kommt zu den Jüngern und findet sie schlafend und spricht zu Petrus: Könnt ihr also nicht eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Ich bin davon überzeugt, dass das Gebet bzw. die Bitte um das „Verschontbleiben von Prüfungen“ so etwas wie die erste Stufe in unserem christlichen Leben darstellt. Die Jünger würden ihrem Meister wohl gerne mit einem Gebet helfen, doch sie werden von Müdigkeit überwältigt. Ihr Geist ist willig, aber es fehlt ihnen die Kraft (das Fleisch ist schwach). Ein reifer Mensch aber kann Prüfungen als Chance begreifen (aber darüber später einmal mehr).




7) Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.

Es liegt tatsächlich in Gottes Macht, dass wir von Prüfungen verschont bleiben (oder er uns aus diesen herauszieht), und er ist wirklich der souveräne König des Universums. Das Wort „Amen“ stammt aus dem Hebräischen (bzw. Aramäischen) und bedeutet soviel wie „in Wahrheit ja, bestimmt, zuverlässig, so sei es".

 
Libor Diviš

 

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