Der Schmerz im Herzen Gottes

Ich habe beschlossen, etwas über den Schmerz im Herzen Gottes zu schreiben. Es scheint, dass jeder von der Liebe Gottes weiß, aber weiß auch jemand von Seinem Schmerz? Gott ist nicht irgendein Segen spendender Automat, sondern das erstaunlichste Wesen im ganzen Universum. Er ist keine unpersönliche Energie, sondern eine liebevolle Person. Und Liebe bringt gleichzeitig auch Schmerz mit sich.

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Pastor einer kleinen Gemeinde gebetet und gefastet. Ich fastete relativ lange (40 Tage), und in der ersten Woche sagte Gott zu mir, dass ich, noch bevor die festgesetzte Zeit abgelaufen sein werde, die Antwort auf unsere Gebete sehen werde“. Ich sagte mir, dass die festgesetzte Zeit wohl diese 40 Tage sein werden, und freute mich auf die Antworten. Hauptgrund für unser Fasten und für unsere Gebete war die Bitte, dass Gott in der Kirche die gleiche Kraft freisetzt wie bei der ersten Kirche. Unsere Bitten betrafen vor allem die Heilung körperlich und geistig behinderter Kinder, ich bat Gott um eine Antwort bezüglich meiner Beziehung usw. Nach ungefähr 30 Tagen des Fastens hatten wir eine abendliche Gebetszeit, an der nicht nur unsere Gemeinde, sondern auch die Vertreter einiger anderer Glaubensgemeinschaften teilnahmen. Für mich war dies ein Abend der Wunder.

Ich sollte vielleicht vorausschicken, dass ich Gott (in der Zeit, als ich eine Befreiung aus den Folgen des Okkultismus suchte) lange Zeit vorwarf, dass es Ihm völlig Wurscht sei, wie ich mich fühle – Hauptsache, ich verhalte mich richtig. Von diesen Vorwürfen gab es noch ein paar mehr, aber dieser war wohl der, der mir am häufigsten durch Kopf ging. Ich dacht dann bei mir so was wie: „Klar, Dir ist das egal, Dich betrifft es ja nicht!“

Bei diesem Gebetstreffen handelte Gott in der Weise, dass sich drei Denominationen (Apostolische Kirche, Christliche Gemeinschaft und Kirche des triumphalen Glaubens) zu einer verbanden. Darüber hinaus erhielt ich in einer unglaublich klaren Weise eine Erklärung für die Ursachen der schlechten geistlichen Situation in unserer Gegend. Das stärkste Erlebnis war für mich aber dann, dass Gott mich in sein Herz schauen ließ. Ich erkannte, dass ich mich lediglich „am äußersten Rand“ befinde, wo die Schmerkonzentration am geringsten ist, und dennoch hatte ich das Gefühl, dass es mich zerreißt. Ich wusste, dass kein Mensch je so viele Schmerzen ertragen hat. Stundenlang habe ich dann geweint, ich konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen. Es machte mir große Probleme, zwischen dem Weinen auch noch die Offenbarung hinsichtlich der geistlichen Situation wahrzunehmen. Dieses Erlebnis veränderte mein Gottesbild und meine Haltung vollkommen. Seitdem liegt es mir fern, Gott Gefühllosigkeit vorzuwerfen.

Ich weiß nicht, inwiefern das als normal bezeichnet werden kann, aber in den letzten Jahren hat Gott mich mehrere Male seinen Schmerz, seine Trübsal, Dinge, die ihn quälen, erkennen und durchleben lassen. Nie habe ich zum Thema Der Schmerz im Herzen Gottes gepredigt und ich habe eine solche Lehre auch noch nie gehört. Jede unserer Erfahrungen muss durch das Wort Gottes – die Bibel – geprüft werden. Bestätigt die Bibel meine Erfahrungen und Erlebnisse oder ist das alles nur Unsinn, der nicht von Gott kommt? Schauen wir also einmal in der Bibel nach!

1. Mose 6,5-8 (ELB): Und Jehova sah, daß des Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. Und es reute Jehova, daß er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in sein Herz hinein. Und Jehova sprach : Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens vertilgen, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Gewürm und bis zum Gevögel des Himmels; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe. Noah aber fand Gnade in den Augen Jehovas.

Sehen Sie? Erst das 6. Kapitel des Buches Genesis (wortwörtliche Übersetzung: „ die Geburt“, der gewöhnlich verwendete Ausdruck lautet „Buch der Schöpfung“), und schon hier sehen wir Gott – den Schöpfer -, der in seinem Herzen großen Schmerz verspürt, weil die ganze Menschheit verdorben war. Er bereut, den Menschen überhaupt erschaffen zu haben, und er will alle irdische Schöpfung vernichten. Im 8. Vers erfahren wir, dass sich nur ein einziger Mensch fand, der bei Ihm Erbarmen fand (Hebräisch חֵן „chén“ = Gunst, Mitleid). Wie man sieht, ist Gott sehr empfindsam!

Jesaja 63,8-10 (ELB): Und er sprach: Sie sind ja mein Volk, Kinder, die nicht trügen werden; und er ward ihnen zum Heiland. In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt, und der Engel seines Angesichts hat sie gerettet. In seiner Liebe und in seiner Erbarmung hat er sie erlöst; und er hob sie empor und trug sie alle Tage vor alters. Sie aber sind widerspenstig gewesen und haben seinen heiligen Geist betrübt; da wandelte er sich ihnen in einen Feind: Er selbst stritt wider sie.

Hatten Sie bis jetzt auch gedacht, dass Gott zwar von Ihren Nöten und Sorgen weiß, dass diese Ihn aber nicht weiter tangieren? Hatten Sie das Gefühl, dass er irgendwie „über den Dingen“ steht?

Die Bibel aber sagt etwas ganz anderes. Durch jede Pein der Menschen wird Gott gepeinigt. Er fühlt und durchlebt mit uns alle unsere Schmerzen und Nöte. Und als wenn das noch nicht genug wäre, erklärt der 10. Vers, dass auch unsere Haltung dazu angetan ist, seinen Heiligen Geist zu peinigen. Wussten Sie, dass Sie Gott peinigen können? Das ist kein Übersetzungsfehler. An dieser Stelle wird das gleiche hebräische Wort ( עָצֵב - „atsab“) wie in dem vorhin zitierten Vers im 6. Kapitel der Genesis verwendet.

Epheser 4,30 (SCHL): Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid für den Tag der Erlösung!

An dieser Stelle finden Sie im Grunde eine Bestätigung des 10. Verses aus dem 63. Kapitel des Propheten Jesaja. Wir können den Heiligen Geist mit unserem Verhalten peinigen (das griechische Wort λυπέω - „lupeó“ bedeutet quälen, peinigen, betrüben, Schmerzen, Trauer bewirken, und es bildet eine Bedeutungsparallele des hebräischen Wortes „atsab“).

Was das Thema Schmerz im Herzen Gottes anbelangt, möchte ich es damit bewenden lassen. Ich werde mir wünschen, dass Sie kurz über diesen Artikel meditieren und sich zu diesem Thema Ihre eignen Gedanken machen. Ich bin überzeugt, dass dies in Ihrem Leben nicht nur gewissermaßen Ihre Perspektive verändern wird, sondern auch eine Änderung Ihres Verhaltens gegenüber Gott nach sich ziehen kann. Es wird Ihnen vielleicht dabei helfen, sich bewusst zu machen, dass Sie mit jeder Sünde genau den verletzen, von dem die meisten von Ihnen sagen werden, dass sie ihn lieben.

  

Libor Diviš

 

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